Ihr steht im schönsten Raum der Wohnung, die Kamera läuft – und ihr zählt Zimmer, Türen und Quadratmeter auf. Dabei soll der Film Lust machen, genau hier zu wohnen. Für euren Auftritt im Immobilienvideo ist deshalb eine Frage entscheidend: Was könnte jemanden an dieser Immobilie so begeistern, dass er sie persönlich sehen möchte?

Meine Empfehlung: Greift die stärksten Eigenschaften des Objekts auf und beschreibt, was sie im Alltag ermöglichen. Lasst Interessenten sich einen Moment lang vorstellen, wie sie die Räume selbst nutzen würden. Daraus entwickelt ihr einen kurzen Gesprächsleitfaden – vom ersten Interesse bis zur Einladung zur Besichtigung.

In diesem Beitrag

Steigt mit einem Grund ein, hier wohnen zu wollen

Überlegt zuerst, was diese Immobilie für die passenden Käufer oder Mieter besonders macht. Vielleicht ist es die Terrasse direkt am Wohnbereich. Vielleicht ein großer Tisch, an dem Freunde zusammenkommen können. Oder ein zusätzliches Zimmer, in dem der Arbeitsplatz abends hinter einer Tür verschwindet. Wählt den Ort für euren Einstieg so, dass man diese Qualität im Bild erlebt.

Für eine Wohnung mit passender Terrasse könnte der Einstieg lauten: „Sie möchten nach Feierabend einfach mal draußen sitzen? Hier öffnen Sie die Terrassentür und nehmen Ihr Abendessen mit nach draußen. Kommen Sie, ich zeige Ihnen die Wohnung dazu.“ Während ihr sprecht, zeigt der Film den Wohnbereich und die Terrasse. Die Aussage bekommt durch die Bilder Substanz.

Euer Name und das Maklerbüro können unmittelbar danach folgen oder im Bild stehen. Sprecht mit Interesse und Überzeugung über das Objekt. Ihr dürft zeigen, was euch daran gefällt. Ein ruhiger Auftritt kann dabei genauso verkaufsstark sein wie ein lebhafter – entscheidend ist, dass eure Begeisterung zu euch und zur Immobilie passt.

Macht aus Eigenschaften einen Wohnwunsch

„Eine separate Küche“ benennt eine Eigenschaft. „Nach dem Essen lassen Sie die Küche einfach hinter sich und genießen den Abend mit Ihren Gästen“ beschreibt, was daran angenehm sein kann. Bei einer offenen Küche wäre vielleicht das gemeinsame Kochen der stärkere Gedanke. Welche Geschichte passt, ergibt sich aus dem tatsächlichen Objekt und den Menschen, die ihr erreichen möchtet.

Sammelt vor dem Termin die stärksten Gründe, sich für diese Immobilie zu interessieren. Drei Fragen helfen bei der Auswahl:

  • Welcher Wunsch wird durch diese Immobilie erfüllt?
  • An welchem Raum oder Detail lässt sich das zeigen?
  • Welchen Eindruck sollen Interessenten zur Besichtigung mitbringen?

Wählt für einen kurzen Film zwei oder drei dieser Gründe aus. Bleibt bei jedem einen Moment: Zeigt den Raum, sprecht den Vorteil an und gebt den Bildern Zeit. Eine konkrete Vorstellung vom Wohnen kann sich so durch den Film ziehen, statt nach jedem Schnitt von einer neuen Aufzählung abgelöst zu werden.

Verkaufsstarke Aussagen bleiben glaubwürdig, wenn sie zum Gezeigten passen. Ein zusätzliches Zimmer könnt ihr als möglichen Arbeitsplatz vorstellen, sofern es dafür geeignet ist. Absolute Ruhe oder eine sichere Wertsteigerung lassen sich daraus nicht ableiten. Die echten Stärken der Immobilie liefern euch genug Stoff für eine überzeugende Vorstellung.

Ein Beispieltext für einen kurzen Rundgang

Ein frei erfundenes Beispiel: Ihr stellt eine Wohnung mit offenem Wohnbereich, Terrasse, separater Küche und einem weiteren Zimmer zum Innenhof vor. Euer Text könnte so aussehen:

01Einstieg im Wohnbereich

„Sie möchten nach Feierabend einfach mal draußen sitzen? Hier nehmen Sie Ihr Abendessen mit auf die Terrasse. Und wenn Freunde dazukommen, geht der Abend drinnen weiter. Ich bin [Name] von [Maklerbüro]. Kommen Sie mit.“

02Blick zur Küche

„Wenn Sie gern Gäste einladen, werden Sie die separate Küche zu schätzen wissen. Nach dem Essen bleibt das Geschirr hier, und Sie sitzen wieder bei Ihren Gästen.“

03Übergang zum weiteren Zimmer

„Arbeiten Sie auch von zu Hause? Hier könnte Ihr eigener Arbeitsplatz entstehen. Abends machen Sie die Tür zu – und haben Ihr Wohnzimmer wieder ganz für sich.“

04Abschluss

„Können Sie sich vorstellen, hier zu wohnen? Dann lassen Sie uns die Wohnung gemeinsam ansehen. Fragen Sie jetzt Ihren Besichtigungstermin an. Ich freue mich darauf, sie Ihnen persönlich zu zeigen.“

Dazwischen können die Räume ohne Moderation zu sehen sein. Der Text muss nicht jede Einstellung begleiten. Sprecht ihn bei der Planung einmal in eurem normalen Tempo und lasst Platz für die Bilder. Daraus ergibt sich eine sinnvolle Länge; eine feste Wortzahl sagt noch nicht, ob der Film gut verständlich ist.

Übernehmt die Sätze nicht ungeprüft. Tauscht die Eigenschaften aus, streicht unpassende Stellen und verwendet die Anrede, die zu eurem Büro passt. Das Beispiel nutzt „Sie“. Wenn ihr eure Interessenten sonst duzt, bleibt auch im Film dabei.

Bereitet den Text mit eurer eigenen Stimme vor

Schreibt einen ersten Entwurf auf und lest ihn laut. Wo müsst ihr neu ansetzen? Welches Wort würdet ihr bei einer Besichtigung nie verwenden? Genau diese Stellen könnt ihr vereinfachen. Wistia empfiehlt in seinem Leitfaden zum Auftritt vor der Kamera, Texte vorab laut durchzugehen und Formulierungen zu überarbeiten, die beim Sprechen unnatürlich wirken.

Danach könnt ihr ausprobieren, ob euch ausformulierte Sätze oder Stichpunkte besser helfen. Für den Einstieg ist ein fertiger Satz oft eine angenehme Stütze. Bei einem Raum, den ihr gut kennt, genügen vielleicht zwei Notizen. Es gibt keinen Grund, für jeden Abschnitt dieselbe Methode zu erzwingen.

Eine kurze Probe mit dem Handy hilft bei der Entscheidung. Hört euch vor allem zu: Versteht man die Aussage beim ersten Mal? Lasst ihr zwischen zwei Gedanken eine Pause? Wenn ein Satz immer wieder hakt, formuliert ihn um, statt ihn noch schneller aufzusagen.

Ihr müsst nicht in jeder Einstellung sprechen

Ein persönlicher Auftritt kann aus einem einladenden Einstieg und einem kurzen Abschluss bestehen. Dazwischen führt der Film durch die Räume. Greift mit eurer Stimme gezielt die Momente auf, die den Wohnwunsch verstärken: den Schritt auf die Terrasse, den Blick durch den Wohnbereich oder die Möglichkeit, ein Zimmer ganz für sich zu nutzen.

Besprecht vor dem Dreh, welche Teile mit euch im Bild entstehen und wo eure Stimme über Raumaufnahmen zu hören sein soll. Plant kurze, einzeln aufnehmbare Abschnitte. Dann lässt sich eine Aussage wiederholen, ohne den gesamten Rundgang von vorn zu beginnen.

Im „Persönlichen Rundgang“ für Karla Fricke könnt ihr euch ansehen, wie eine Maklerin durch eine Wohnung führt. Weitere Möglichkeiten findet ihr auf der Seite zu meinen Objektvideos.

Ladet klar zur Besichtigung ein

Der letzte Satz soll Interessenten den nächsten Schritt leicht machen. Wenn ihr eine Besichtigung erreichen möchtet, sprecht sie direkt an: „Möchten Sie hier selbst einmal auf der Terrasse stehen? Fragen Sie jetzt einen Besichtigungstermin an.“ So greift ihr eine Stärke des Objekts wieder auf und verbindet sie mit einer klaren Einladung.

Passt den Weg zur Anfrage an den Veröffentlichungsort an. Im Inserat kann es das Kontaktformular sein, auf eurer Website ein gut sichtbarer Anfragebutton und bei Social Media eine direkte Nachricht. ImmoScout24 erläutert in seiner Multimedia-Hilfe, wie ihr einen Film in das Exposé einbindet. Prüft anschließend, ob die Kontaktmöglichkeit dort leicht zu finden ist. Ein Verweis auf Unterlagen allein bleibt als Abschluss zu unverbindlich.

Wenn ihr einen Objektfilm in Hamburg oder Umgebung plant, schreibt mir über die Objektanfrage, was ihr zeigen möchtet und ob ihr selbst vor die Kamera wollt. Dann besprechen wir, welche Aussagen und welcher Auftritt zu eurem Objekt passen.

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